Nachdem sich meine letzten Blogbeiträge mehrheitlich mit Schwimmtipps befasst haben, kommt heute, nach langer Pause, mal wieder ein Wettkampfbericht. Dieses mal vom Bodensee. Wie ich gerade mit Erschrecken festgestellt habe, datiert der letzte von 2019 – es wird also Zeit!

Und welcher Wettkampf eignet sich dafür besser als die BOW Q11 Bodenseequerung von Friedrichshafen nach Romanshorn in der Schweiz.

Zusammen mit meinen Starts 2018, 2019 und 2021 war es dieses Jahr meine vierte Teilnahme. So viel darf ich vorwegnehmen: jedes Mal bin ich als erster drüben angekommen, so auch dieses Jahr. Aber irgendwie bringe ich offensichtlich auch (fast) jedes Mal eigenartige Wetterbedingungen mit. Aber alles der Reihe nach.

Die Vorbereitung lief dieses Jahr für mich reichlich zäh. Ich kenne mich gut genug, um meine Schwimmsaison auf drei Monate und ca. 200 bis 300km zu begrenzen. Alles was darüber hinaus geht, wird zu einer mentalen Herausforderung. Dieser kurze Zeitraum reicht aber in der Regel aus, um mich in eine Form zu bringen, die sich ab dann ohnehin nur noch marginal verbessern würde. Nennen wir es effizientes Energiemanagement. Diese drei Monate ließen sich dieses Jahr sehr gut in den Zeitraum zwischen meinen Hamburg Marathon Ende April und die Querung Ende Juli packen, also eigentlich alles wie gemacht für mich.

Zumindest wenn man gesund bleibt. Was mir in diesen drei Monaten leider zwei Mal nicht gelungen ist und – wir kennen es alle – mit Trainingsausfall, Zweifeln an der Form und mühsamen Wiedereinstiegsszenarien verbunden ist. Meine Begeisterung dafür, 11km durch den Bodensee zu schwimmen, erhielt also den ein oder anderen Dämpfer in der Vorbereitung.

Dennoch näherte sich der Tag des Wettkampfs und die Form einer akzeptablen Version. Schon seit meiner ersten Querung (bei der die Bedingungen optimal waren) hoffe ich jedes Jahr aufs Neue auf einen ruhigen See. So richtig will das nicht klappen. In den letzten Jahren galt mein erster Blick aus dem Fenster nach dem Aufstehen um 4h morgens (Start ist i.d.R. um 6h) jedes Mal dem Wetter. Und jedes Mal hat es geregnet und/oder gewittert. So wie auch dieses Jahr. Etwas ernüchternd, nachdem wochenlang nur blauer Himmel zu sehen war und das gute Wetter ausgerechnet an diesem Tag mal Urlaub macht. Aber das ist auch Teil des Freiwasserschwimmens und irgendwie auch Teil des Reizes.

Im Übrigen, das sei mit Nachdruck erwähnt: Die Veranstalter schauen gemeinsam mit der DLRG und lokalen Wetterdiensten haargenau hin, ob eine Gefährdung durch Gewitter besteht. Wenn das Rennen freigegeben wird, dann besteht auch keine Gefahr!

Dieses Jahr konnte das Rennen dann erst mit einer Stunde Verspätung freigegeben werden. Das ist immer Stress für alle. Alles ist darauf vorbereitet, um 6h zu starten – und dann muss man neu abschätzen, ob es noch Sinn macht, etwas zu essen oder zu trinken, doch nochmal auf die Toilette zu gehen, usw. Und man muss die Zeit totschlagen, sitzt weitestgehend umgezogen am Ufer und hofft, dass es dann bald losgeht. Was dieses Jahr dann um 7h der Fall war.

Im Vergleich zu letztem Jahr, in dem Romanshorn buchstäblich bis 3km vor Ziel im Nebel nicht erkennbar war, war die Sicht dieses Jahr solide. Was angesichts der perfekten Führung durch das DLRG-Führungsboot aber schon fast nebensächlich war.

Weniger nebensächlich war allerdings der Wellengang. Was von außen einigermaßen ruhig aussah, stellte sich im Wasser als ziemlich beeinträchtigend dar. Jetzt bin ich kein unerfahrener Freiwasserschwimmer und bin schon in dem ein oder anderen See geschwommen. Aber dieses Mal war ich dann doch überrascht und mein erster Gedanke war buchstäblich „Ui, das wird mühsam!“. Nicht, dass ich keinen Wellengang hätte erwarten können, schließlich war nachts ja ein Gewittertief durchgezogen. Aber das hatte ich wohl schon verdrängt…

Wie auch immer… Der Plan bestand dann zunächst daraus, zu zweit oder dritt weitestgehend beisammenzubleiben und sich idealerweise vorne abzuwechseln. Nach etwa der Hälfte der Distanz löst sich das aber üblicherweise auf – so auch dieses Jahr. Ich hatte die ersten anderthalb Kilometer meine Pflicht getan, wechselte in der Reihe hinter meine beiden Mitstreiter und übernahm ab 4km wieder die Führung. Dann kam der erste Verpflegungsstopp.

Die Verpflegung beim Langdistanz-Schwimmen ist immer ein Thema für sich. Man kann sich – unter Beachtung der Regeln beim Freiwasserschwimmen – über die Begleitboote verpflegen lassen. Bis auf meine erste Querung habe ich das aber nie in Anspruch genommen. Warum auch immer das so ist, ich kann so eine Distanz problemlos ohne Zufuhr von Kohlenhydraten ohne Leistungsverlust durchschwimmen, habe als Notreserve aber immer zwei Gels in meiner Boje. Da mein Magen unempfindlich gegenüber Seewasser ist, reicht mir außerdem der regelmäßige Schluck aus dem See als Flüssigkeitsausgleich. So mache ich es im Übrigen auch im Training im Wörthsee. Sicherlich gibt es Seen, bei denen ein solches Vorgehen nicht empfehlenswert ist und möglicherweise könnte ich ein wenig mehr netto Schwimmgeschwindigkeit rausholen, wenn ich die Kohlenhydrat- und Elektrolytversorgung optimieren würde. Fakt ist aber auch, dass man während der Schwimmbewegung nichts zu sich nehmen kann. Stoppen, umdrehen, Boje greifen, Gel greifen und öffnen, zu sich nehmen, Müll wieder verstauen (!) – das dauert mindestens 30 Sekunden und bringt mich aus meinem Rhythmus raus. Ich spare mir das in der Regel.

Da ich aber die Gruppe nicht schon nach den ersten 4km verlieren wollte, hatte ich mich dieses Mal anders entschieden und nutzte die kurze Pause, um mein Gel zu mir zu nehmen. Anschließend ging es weiter, wobei wir ein wenig an Pace einbüßten. Nachdem ich weitere drei Kilometer ohnehin vorne geschwommen war und mich dabei ein wenig an meine Mitschwimmer angepasst hatte, entschied ich mich dann bei Kilometer 7 allerdings, den Rest der Strecke nach Romanshorn in meinem eigenen Tempo zu schwimmen. Zu diesem Zeitpunkt war der Wellengang deutlich zurückgegangen, allerdings durch starken Dauerregen ersetzt worden. Was im Wasser natürlich keine Beeinträchtigung darstellt, für die Zuschauer und die Veranstalter aber immer sehr schade ist. So verliefen die übrigen knapp 4 Kilometer ohne weitere Überraschungen, bestenfalls mit der üblichen Verwunderung, dass Romanshorn einfach nicht näher zu kommen scheint, egal wie lange ich schon schwimme. Aber das kennt man ja, das ist jedes Mal das Gleiche. Man hat das Gefühl, gleich ist man da und dann sind es doch noch 2 Kilometer.

Am Ende standen 2h50 auf der Uhr, meine bisher langsamste Zeit für die Querung. 2019 waren es 2h35. Jetzt werde ich natürlich nicht jünger und die Bedingungen waren tatsächlich nicht wirklich dazu geeignet, persönliche Rekorde zu schwimmen. Das gehört halt dazu. Dennoch bleibt ein wenig Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung zurück, ob berechtigt oder nicht.

Mal schauen, wie es beim nächsten Mal wird!

Du hast auch Lust, mal an sowas teilzunehmen? Dann schau dir gerne meine Freiwasser-Tipps an und melde dich bei mir wenn du Fragen hast!

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